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Warum kein Spot gegen Rechts?
Sicher, die aktuellen Gegebenheiten würden auf den ersten Blick dafür sprechen, sich mit Rechtsradikalismus, Ausländerhaß und neuerlich aufkommender Judenfeindlichkeit auseinanderzusetzen.
Das wollten wir aber bewußt nicht.
Wir gehen vielmehr davon aus, dass Gewalt zumeist Ausdruck einer tiefen Lebensfrustration ist. In welchem “Mäntelchen” sie daher kommt ist für uns nebensächlich, selbst wenn wir uns damit
der Kritik einer politisch unbewußten Indifferenziertheit aussetzen. Aber wir glauben, dass wir derart manifestierte Überzeugungen ohnehin nicht mit einem Spot aufbrechen könnten. Es ist uns nicht elementar wichtig,
ob der Draufschlagende “rechte” Parteipropaganda kennt, ob er seine Gegner unter den Fans anderer Fußballmannschaften ausmacht oder in den “Feindfiguren” antifaschistischer Aktivisten, einem staatstragenden
Polizeiapparat oder im “Konservativen” schlechthin.
Wir wollen es gar nicht so weit kommen lassen. Denn in deren oberfäch- lichen Symbolen und Programmen ist nur manifestiert, was den Grund für Gewalt liefert. Wir denken, dahinter stecken in
Wirklichkeit andere Motivationen, Gefühls- und Wertewelten, die durcheinander geraten sind. Der Jugendliche ohne Lebensperspektive und ohne Berufs-Chancen mag sich im rechten Sammelbecken eine “warme Kuhle” für
seinen Frust finden. Hier nennt man ihm die Schuldigen für seine Probleme: Ausländer! Hier findet er Anerkennung und Bestätigung - und die vermeintliche Lösung. Hier findet er Ventile und Ziele. Das bindet, selbst
wenn er Parteiprogramme nicht kennt sondern nur gemeinsame Kampflieder, Parolen und welche Stiefel er anziehen muß.
Vielleicht sind es auch die stille oder laute Gewalt des Elternhauses, ein Mangel an Zuwendung, ein proklamierter Zwang zur Härte, die Ellenbogengesellschaft und eine konsumorientierte
Sinnentleerung, oder einfach nur ödes Rumhängen, die einen Fußballverein zum hohen Wert machen, für den es sich draufzuhauen lohnt?
Und wer möchte einem “linken Antifaschisten” glauben, dass seine Beweggründe in irgendeiner Form als edler zu bewerten wären, wenn das Ergebnis Gewalt das Selbe ist? Auch er sucht unserer
Meinung nach Bestätigung, nach neuem Wertehaushalt, nach Sinn statt Frust und entdeckt Gewalt als seine Sprache, um in einem perfide einfachen Slogan “Mach kaputt, was Dich kaputt macht!” seine Berechtigung zu
suchen, ein Ventil zu öffnen, mit dem er Druck abzubauen meint. Vielleicht ist es anfänglich noch Lust, ein persönlicher Urschrei, der in unserem Spot im Hals stecken bleibt, erstickt und die Luft abschnürt.
Wenn dieser Kick aber weiter geht, wird er vielleicht zur Droge und äußerlich zur Bindung an eine beliebige zerstörerische Weltanschauung, dann kommen wir mit unseren Mitteln zu spät. Dann
hat auch unsere Gesellschaft versagt.
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