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Interview Produzent

 

Roland Kanamüller in einem Interview mit der Wochenzeitung info 7 (Passau)

Ist Gewalt nicht ein alter Hut
Es stimmt: Lange Zeit sah es so aus, als wäre Deutschland eine friedliche Insel in einer Welt von Chaos und Gewalt. Spätestens seit der Fuball-WM 1998, als deutsche Hooligans in Frankreich ganze Stadtteile verwüsteten und einen Polizisten halbtot schlugen, ist Gewalt auch hierzulande wieder ein Thema. Im Moment sind es vor allem rechte Gewaltätter, die für Entsetzen sorgen, aber die Gewaltpalette ist eigentlich viel umfangreicher, leider gerade unter Jugendlichen: Da werfen Leute Kanaldeckel auf die Autobahn, 12-Jährige vergewaltigen 8-Jährige, Lehrer werden mit dem Messer bedroht und und und.

Was kann man dagegen tun
Um diesen Trend zum Zuschlagen zu bekämpfen braucht es ein Bündnis der gesamten Gesellschaft. Jeder muss seinen Beitrag leisten und darf das nicht anderen, z.B. Politikern und Polizisten, überlassen.

Was kann der einzelne konkret tun
Jeder kann laut und deutlich Widerstand leisten, wenn Schwächere von vermeintlich Stärkeren bedroht werden. Freilich erfordert dies auch eine Portion Courage, aber die braucht es auch, einen Bungee-Sprung zu machen. Diese Leute bewundert man, wer sich bei einer Schälgerei einmischt, ist in der breiten Meinung selber schuld. Diese Ein-schätzung muss sich wieder ändern.

Sie haben einen Film gemacht
Ja, für einen Filmemacher liegt das natrlich nahe. Auerdem hat meiner Meinung nach das Medium Film eine gute Chance, tatsächlich was zu bewirken. Im Kino kann man die Leute erreichen und auch beeinflussen. Jeder Werbespot nutzt diese Prinzipien.

Wie gingen Sie an das Thema ran
Oberster Gedanke bei der Stoffentwicklung war die Wirkung des Films. Es nützt wenig, wenn man einen tollen Spot produziert, der aber keinen packt. Ein drohender Finger oder die kumpelhafte Mahnung eines Streetworkers erschien mir für eine Geschichte unwirksam.

Was zeigt Ihr Spot denn
Eine Gewaltorgie, schonungslos und ohne Vorverurteilung, allerdings mit dem tragischsten aller möglichen Ausgänge. Wir wollten einen Schock erzeugen, ein emotionales k.o., durch das man erahnt, dass Gewalt zu nichts führt, egal, ob Profilierung in einer Gruppe, Frust, politische Motive usw. die Auslöser sind. Wir wollten nicht die Vernunft ansprechen, sondern ein inneres Schlsselerlebnis bewirken. Deshalb ist der Film auch sehr emotional.

Wäre ein Spot gegen rechts nicht aktueller gewesen
Jede Aggression hat ihre Ursachen und Gründe, der sinnlose Vandalismus bei der WM genauso wie braune Gewalt. Wir haben deshalb eine mögliche Motivation für Gewalt ausgewählt, eine von der wir glauben, dass sie besonders drastisch und leicht nachvollziehbar ist. Unser Film erzhlt die Hintergründe der Tat und weckt zunächst Verständnis. Der tragische Ausgang der Geschichte beweist aber, dass die Entladung der Probleme in blinde Gewalt das Verkehrteste berhaupt ist und nun alles nur noch schlimmer ist.

Aber ist das Opfer in Ihrem Spot nicht mitschuldig
Jeder baut mal Scheiße, in unserem Film geht Gabi fremd, aber dies ist kein Grund, auszurasten, auch wenn man das in so einer Situation natürlich gerne tun wrde.

Was ist die Moral Ihres Films
Dass es zum Super-Gau kommen kann, wenn nämlich der vielleicht einzige Mensch, der mich als Skin, als Hooligan usw. wirklich liebt und der zu mir steht, (und ich bin gewalttätig, weil solche Menschen in meinem Leben immer gefehlt haben), wenn genau der durch meine Hände bei einer blinden Gewaltaktion drauf geht. Ungewollt, unglücklich, aber trotzdem durch meine Schuld tot! Das ist zugleich auch das eigene Ende. Deshalb unser Slogan “Gewalt tötet immer auch dich!”

Wer finanzierte den Spot, der Staat
Nein, von staatlicher Seite gab es keine Unterstützung, eine der großen Enttäuschungen dieser Produktion. Letztlich waren es ein Filmteam, also einzelne Bürger, die ihrer Verantwortung nach-gekommen sind, und eine Handvoll Unternehmen der Filmbranche, die uns ihre Leistungen kostenlos zur Verfgung stellten. Nicht zu vergessen SAT.1 und den Volkswagen Konzern.

Der Spot startet wirklich mit 400 Kopien
Ja, für eine no-budget-Produktion ist das in der Tat beinahe unglaublich. Das haben wir Buena Vista International zu verdanken, die uns von Anfang an Mut gemacht haben. Jetzt hoffen wir nur noch auf die einzelnen Kinobesitzer, denn sie sind nun unser letzter Partner, sie leisten noch einen groen Beitrag, indem sie den Spot spielen.

Also ein riesiger Erfolg
Dass dieser Film ohne Budget tatschlich realisiert wurde und nun die Öffentlichkeit erreicht, ist toll und vielleicht in der Größenordnung einmalig. Ein richtiger Erfolg ist er aber erst dann, wenn es wirklich bei dem einen oder anderen im Publikum Klick macht. Wir werden uns sicher auch Kritik einhandeln, das ist normal, jeder hat eigene Erwartungen an so ein Projekt. Aber wenn durch unseren Spot auch nur ein Anschlag auf ein Asylbewerberheim ausbleibt, dann hat sich der Einsatz gelohnt.

Das Interview führte Hermann Haydngrimm.design, Dsseldorf

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